Fünf Stufen für Schulleitungen und Steuergruppen: Wo steht Ihre Schule beim Thema KI, und welcher Schritt bringt sie weiter?
Mehr als ein Viertel der Jugendlichen in Deutschland sagt, ihre Schule regle den Umgang mit KI überhaupt nicht. So hat es der Digitalverband Bitkom letztes Jahr bei Schüler:innen zwischen 14 und 19 Jahren erhoben. Bei 35 Prozent legt jede Lehrkraft die Regeln selbst fest. Nur 23 Prozent berichten von schulweiten Regeln (Bitkom).
Aus meinen Fortbildungen kenne ich dieses Gefälle gut. Zwischen zwei Schulen derselben Stadt, manchmal schon zwischen zwei Fachkonferenzen im selben Haus, liegen Welten. Damit Schulen sehen, wo sie stehen, habe ich ein Raster mit fünf Stufen entworfen und im September in meiner Kolumne auf derStandard.at vorgestellt (derStandard.at). Hier übertrage ich es auf deutsche Verhältnisse und ergänze zu jeder Stufe, was als Nächstes zu tun ist.
Wie das Raster gedacht ist
Abbildung 1: Selbstcheck für Schulen
Mit dem Raster schätzen Sie ein, wie überlegt Ihre Schule mit KI umgeht. Dazu gehört ausdrücklich das begründete Nein. Eine Schule, die in den unteren Jahrgängen gezielt ohne KI arbeitet und das Eltern wie Kolleg:innen erklären kann, ist womöglich weiter als eine, die viele Lizenzen einkauft, ohne einen klaren, pädagogischen Zweck dafür zu nennen.
KI ist außerdem an jeder Schule längst da, ob sie den Umgang geregelt hat oder nicht. Laut OECD nutzt die Hälfte der 15-Jährigen in Deutschland wöchentlich oder öfter einen KI-Chatbot, um sich beim Lernen helfen zu lassen (OECD-Ländernotiz zu PISA 2025). In der JIM-Studie 2025 geben 74 Prozent der 12- bis 19-Jährigen an, KI für Hausaufgaben oder zum Lernen einzusetzen (mpfs). In der Schweiz hat die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) erstmals erhoben, wer dabei den Anstoß gibt. Im Unterricht greifen 45 Prozent der dazu befragten Schüler:innen häufig aus eigenem Antrieb zu generativer KI, unter Anleitung einer Lehrkraft tun das häufig nur 18 Prozent (SKBF Staff Paper 28). Auch auf der untersten Stufe ist KI also im Haus. Nur begleitet niemand die Schüler:innen dabei.
Das Raster stammt aus der Praxis, wissenschaftlich geprüft ist es nicht. Doris Weßels und Miriam Maibaum beschreiben „AI Leadership“ als Kernaufgabe für alle, die Schule führen: die Fähigkeit, den Einsatz von KI „in einem werteorientierten, transparenten und reflektierten Rahmen zu steuern“ (Forum Bildung Digitalisierung). Das KI-Kompetenzmodell von Susanne Alles, Joscha Falck, Manuel Flick und Regina Schulz beschreibt, was Lehrende und Lernende können sollten (joschafalck.de). Mein Raster setzt bei der Frage an, wo eine Schule überhaupt steht, und soll auch für Eltern und Schüler:innen nachvollziehbar sein.
Der Selbstcheck: Wo steht Ihre Schule?
Gehen Sie die Tabelle von oben nach unten durch und beantworten Sie jede Aussage mit Ja oder Nein. Ihre Schule steht auf der höchsten Stufe, bis zu der Sie alle Aussagen bejahen können. Wenn Sie zögern, zählt die Aussage als Nein.
Stufe
Erreicht, wenn alle Aussagen zutreffen
Ihr nächster Schritt
1 Blindflug
Keine Voraussetzung: Hier beginnt jede Schule.
Bestandsaufnahme in Kollegium und Klassen; Ansprechperson und Übergangsregel beschließen
2 Einzelkämpfer:innen
Mehrere Lehrkräfte setzen KI bewusst im Unterricht ein und tauschen sich darüber aus.
Regelmäßige Mikro-SchiLFs; Auftrag (möglichst mit Entlastung) und freigegebenes Werkzeug klären
3 Aufbruch
Die Schulleitung hat eine Steuergruppe beauftragt. Ein schulweites Regelpapier ist beschlossen und für alle zugänglich.
Ein Schwerpunkt pro Schuljahr; jede Fachkonferenz fasst die Regeln für ihr Fach auf einer Seite zusammen
4 Verbindlichkeit
Jede Fachkonferenz hat schriftlich festgelegt, was bei Hausaufgaben und Leistungsnachweisen erlaubt ist. Alle Schüler:innen haben eine Einführung erhalten. Die Schulkonferenz hat die Regeln beraten. Die Steuergruppe arbeitet mit Entlastung.
Wirkung auf das Lernen auswerten; Schulprogramm und Leistungsnachweise mit Blick auf KI weiterentwickeln
5 Lernkultur
Der KI-Einsatz ist mit mindestens einem Entwicklungsschwerpunkt im Schulprogramm oder Medienkonzept verknüpft. Leistungsnachweise bewerten in allen Fächern, soweit das Landesrecht es zulässt, auch dokumentierte Zwischenschritte.
Praxis teilen und von außen prüfen lassen; Regeln jährlich mit der Schüler:innenvertretung überarbeiten
Lassen Sie den Selbstcheck von mehreren Personen unabhängig voneinander ausfüllen: von der Schulleitung, von Kolleg:innen verschiedener Fächer, von der Schüler:innenvertretung und von Eltern. Die Einschätzungen werden auseinandergehen.
Sprechen Sie über diese Unterschiede; meiner Erfahrung nach lernt ein Kollegium daraus oft überraschend viel über die eigene Schule.
Die fünf Stufen und Ihr nächster Schritt
Stufe 1: Blindflug
Für die Schulorganisation ist KI hier kein Thema. Sie steht auf keiner Tagesordnung, und zuständig fühlt sich niemand. Gemeinsame Absprachen fehlen ebenso wie eine Fortbildung im Kollegium. Was im Unterricht passiert, entscheidet jede Lehrkraft für sich. Die eine lässt das Thema links liegen. Der andere jagt KI-Texte mit Detektoren, obwohl solche Werkzeuge in der Regel unzuverlässig sind, wie Doris Weßels erläutert (FelloFish). Die Schüler:innen bleiben mit KI allein.
Woran Sie das merken:
Im Kollegium weiß niemand, wer für das Thema zuständig ist.
Schüler:innen und Eltern erfahren von der Schule nicht, was bei Hausaufgaben erlaubt ist.
Finden Sie zuerst heraus, was an Ihrer Schule schon passiert. Die Schulleitung beauftragt eine Person, die innerhalb von vier Wochen eine kurze anonyme Umfrage im Kollegium und in je einer Klasse pro Jahrgangsstufe durchführt. Fünf Fragen genügen, etwa danach, welche Werkzeuge genutzt werden und wofür. Die Ergebnisse stellt sie in der nächsten Gesamtkonferenz vor, und die Konferenz fasst zwei Beschlüsse: Wer ist bis auf Weiteres Ansprechperson? Und welche Übergangsregel gilt? Ich schlage vor, dass Schüler:innen bei Hausaufgaben angeben, ob und wofür sie KI genutzt haben.
Eine zweite Regel gilt am besten ab sofort: Personenbezogene Daten, auch Texte und Noten von Schüler:innen, gehören in kein Werkzeug, das die Schule nicht freigegeben hat. Was freigegeben ist, klären Sie mit der oder dem Datenschutzbeauftragten und dem Schulträger. Einen Teil der Antwort liefern die Länder inzwischen mit dem AIS.chat selbst.
Stufe 2: Einzelkämpfer:innen
Einzelne Lehrkräfte haben sich auf den Weg gemacht. Sie bilden sich in ihrer Freizeit weiter und teilen in den Pausen, was im Unterricht geklappt hat. Von der Schulleitung kommt Wohlwollen, ein offizieller Auftrag bleibt aus. Gearbeitet wird meist mit privaten Gratiszugängen, und beim Datenschutz fragt lieber niemand genau nach. Für Schüler:innen hängt es vom Fach ab, was gilt: In Französisch dürfen sie ihren Text mit KI-Hilfe überarbeiten, eine Stunde später ist KI in Englisch tabu. Wechselt die treibende Kraft die Schule, geht ihr Wissen mit.
Dazu passen die Zahlen des Deutschen Schulbarometers 2026 der Robert Bosch Stiftung. Inzwischen nutzen 52 Prozent der Lehrkräfte KI mindestens mehrmals im Monat, ein Jahr zuvor waren es 32 Prozent. Wer KI beruflich nutzt, erstellt damit vor allem Aufgaben (64 Prozent). Nur 29 Prozent dieser Lehrkräfte lassen ihre Klassen im Unterricht mit KI arbeiten (Robert Bosch Stiftung).
Woran Sie das merken:
Was mit KI erlaubt ist, wechselt von Lehrkraft zu Lehrkraft.
Zwei, drei Kolleg:innen sind die einzigen Ansprechpersonen.
Holen Sie die Pionier:innen aus der Nische, und schützen Sie sie vor Überlastung. Gut funktionieren Mikro-SchiLFs, wie Joscha Falck sie im Gespräch mit mir beschrieben hat: Einheiten von etwa 30 bis 45 Minuten, in denen Kolleg:innen zeigen, was sie ausprobiert haben, idealerweise so, dass andere es am nächsten Tag übernehmen können (derStandard.at). Planen Sie dafür einen festen Termin ein, etwa einmal im Monat vor einer Konferenz.
Rückhalt bekommen die Pionier:innen durch einen schriftlichen Auftrag der Schulleitung. Er hält Aufgaben und Zeitrahmen fest und sieht möglichst Entlastung vor. Bis zum Halbjahr sollten Schulleitung und Schulträger außerdem klären, welches freigegebene Werkzeug die privaten Konten im Unterricht ablöst.
Stufe 3: Aufbruch
Auf dieser Stufe kümmert sich zum ersten Mal die ganze Schule um das Thema. Die Schulleitung macht KI zur gemeinsamen Aufgabe des Kollegiums und beginnt, den Einsatz zu steuern, also das, was Weßels und Maibaum mit AI Leadership meinen. Typisch ist ein Paket aus Steuergruppe und pädagogischem Tag, an dessen Ende ein Regelpapier verabschiedet wird. Oft kauft die Schule dazu eine Lizenz für ein datenschutzkonformes KI-Werkzeug. Von außen wirkt das vorbildlich. Wer allerdings eine beliebige Unterrichtsstunde besucht, merkt davon oft kaum etwas.
Woran Sie das merken:
Das Regelpapier ist allgemein gehalten und in den Fächern noch nicht angekommen.
Fragt man Schüler:innen nach den Regeln, zucken viele mit den Schultern.
Konzentrieren Sie sich im kommenden Schuljahr auf einen einzigen Schwerpunkt. Die Steuergruppe schlägt ihn bis zum Halbjahr vor, die Gesamtkonferenz beschließt ihn. Danach fasst jede Fachkonferenz das Regelpapier für ihr Fach auf einer Seite zusammen: Was ist bei Hausaufgaben und Leistungsnachweisen erlaubt, und wie kennzeichnen Schüler:innen ihre KI-Nutzung? Ist das zu viel auf einmal, beginnen Sie mit einem Fach in einer Jahrgangsstufe. Gleichzeitig holt die Steuergruppe Schüler:innenvertretung und Elternvertretung an den Tisch. Warum gerade diese Stufe so viele Schulen festhält, beschreibe ich weiter unten.
Stufe 4: Verbindlichkeit
Jetzt kommen die Regeln im Klassenzimmer an. Für Hausaufgaben, Referate, Projektarbeiten und Präsentationen klärt jede Fachkonferenz, in welchem Umfang KI zulässig ist und wo sie absichtlich fehlt. Geregelt ist auch, wie Schüler:innen den KI-Einsatz offenlegen und nach welchen Kriterien die Arbeit bewertet wird. Das kostet Zeit, und zwar viel.
Jede Klasse durchläuft eine Einführung in den Umgang mit KI, etwa an einem Projekttag, wie ihn Hauke Pölert beschreibt (unterrichten.digital). Die Schüler:innenvertretung arbeitet an den Regeln mit. Weil die Schulkonferenz das Regelpapier beraten hat, kennen es auch die Eltern. Im Unterricht wird genutzt, was Schule oder Land bereitstellt. Die Steuergruppe bekommt Anrechnungsstunden oder vergleichbare Entlastung. Das Kollegium bildet sich übers Jahr verteilt fort.
Woran Sie das merken:
Eine Schülerin kann für jedes Fach sagen, was bei der nächsten Hausaufgabe erlaubt ist.
Neue Kolleg:innen finden die Absprachen schriftlich vor.
Danach stehen zwei Aufgaben an. Die erste: Prüfen Sie, was die Regeln am Lernen verändern. Pölert rät, genau hinzusehen, was Schüler:innen mit KI tatsächlich tun (unterrichten.digital). Praktisch heißt das: Jede Fachkonferenz wertet am Ende des Schuljahres eine Unterrichtsreihe aus, anhand von Arbeiten und Prozessdokumenten der Schüler:innen.
Die zweite: Verbinden Sie KI mit einem Entwicklungsschwerpunkt, den Ihr Schulprogramm ohnehin enthält, etwa dem selbstregulierten Lernen oder der Medienbildung. Die Steuergruppe spricht dafür mit den Kolleg:innen, die diesen Schwerpunkt schon betreuen. Parallel passen die Fachkonferenzen die Leistungsbewertung an. Wenn Produkte auf Knopfdruck entstehen, muss die Bewertung auch den Weg dorthin erfassen. Wie viel davon möglich ist, bestimmt das Landesrecht.
Stufe 5: Lernkultur
Auf der obersten Stufe verknüpft die Schule KI mit Vorhaben, die ohnehin in ihrem Schulprogramm stehen. In der ersten Fassung habe ich diese Stufe vor allem über den Alltag beschrieben. Joscha Falck hat daraufhin zurecht eine Lücke benannt: Ihm fehlte eine Stufe, die über die Integration in den Alltag hinausgeht und KI gezielt mit anderen Entwicklungsschwerpunkten verknüpft, etwa mit selbstreguliertem Lernen, Demokratiebildung, Medienbildung oder Projektlernen. Ich habe den Hinweis aufgenommen und Stufe 5 nun schärfer gefasst.
Der Unterschied zu Stufe 4 liegt in der Blickrichtung. Auf Stufe 4 regelt die Schule, wie KI genutzt werden darf. Auf Stufe 5 fragt sie zuerst, welche ihrer pädagogischen Ziele KI voranbringen kann. Zwei Merkmale gehören dazu, und erst beide zusammen machen die Stufe aus.
Das erste Merkmal: KI dient den pädagogischen Schwerpunkten der Schule. Beim selbstregulierten Lernen hilft sie Schüler:innen beim Planen ebenso wie beim Reflektieren. Ferdinand Stebner und Hendrik Haverkamp betonen allerdings die Voraussetzung dafür: „Nur wer bereits über Strategien des Lernens verfügt, kann KI wirklich lernförderlich nutzen“ (FelloFish).
Wie das in der Demokratiebildung aussieht, zeigt die Friedensschule Osnabrück. Im Projekt demoKI erwerben Schüler:innen, an der Schule Lernpartner:innen genannt, in einer eineinhalbjährigen Ausbildung KI-Kompetenzen. Sie bauen etwa einen Fake-News-Generator, um zu zeigen, wie leicht Falschmeldungen entstehen, und geben ihr Wissen später an Grundschüler:innen, Senior:innen, Lehrkräfte und die interessierte Öffentlichkeit weiter (joschafalck.de, demoKI). Beim KI-Schulpreis 2025 belegte die Schule damit den ersten Platz in der Kategorie Teilkonzept (KI-Schulpreis).
Das zweite Merkmal: Die Leistungsbewertung hat sich verändert. Leistung zeigt sich stärker im Prozess, etwa im Beratungsgespräch über einen Entwurf oder in einem Lerntagebuch, das dokumentiert, wie ein Produkt entstanden ist. Lehrkräfte erproben neue Prüfungsformate; die Schule gibt ihnen dafür Stunden und Spielraum. Detektoren braucht dann niemand mehr, weil der Weg zum Ergebnis ohnehin sichtbar ist.
Das setzt voraus, dass Rückmeldungen bei den Schüler:innen auch ankommen. Warum gutes Feedback so oft ins Leere läuft, hat Hendrik Haverkamp beschrieben (FelloFish). Auf Stufe 5 können Schüler:innen unterscheiden, ob ein Chatbot sie beim Lernen voranbringt oder ihnen die eigentliche Denkarbeit abnimmt.
Woran Sie das merken:
Das Medienkonzept beschreibt, in welchen Jahrgangsstufen KI vorkommt und wo bewusst ohne sie gelernt wird.
Schüler:innen erklären von sich aus, wann ihnen KI beim Lernen weiterhilft und wann sie ihnen zu viel abnimmt.
Auf dieser Stufe lohnt der Blick von außen, etwa bei gegenseitigen Hospitationen mit anderen Schulen oder in Wettbewerben wie dem KI-Schulpreis. Überarbeiten Sie die Regeln einmal im Jahr gemeinsam mit der Schüler:innenvertretung, damit sie mit der Technik Schritt halten. Zugegeben, Stufe 5 beschreibt allerdings in den allermeisten Fällen eine Zielvorstellung.
Warum so viele Schulen auf Stufe 3 hängen bleiben
Von den Schulen, die ich kenne und die Stufe 3 erreicht haben, bleiben die meisten am Übergang zur vierten hängen. Hauke Pölert beschreibt das Muster mit dem „Implementation Dip“, einem Begriff des Schulentwicklungsforschers Michael Fullan (unterrichten.digital). Neue Impulse verpuffen, sobald der Schulalltag zurückkehrt. Das Heikle an Stufe 3 ist das Gefühl, schon viel erreicht zu haben. Wer Regelpapier und Steuergruppe vorweisen kann, hält das Thema leicht für erledigt.
Für ein Orientierungspapier des Forums Bildung Digitalisierung hat das Forschungsinstitut FiBS 41 KI-Fortbildungen für Schulleitungen analysiert. Das Ergebnis: „Tool-Wissen dominiert, KI als Schulentwicklungsthema kommt zu kurz“ und „Einmalige KI-Schulungen reichen nicht. Nachhaltiger Kompetenzerwerb braucht langfristige Begleitung.“ (Forum Bildung Digitalisierung).
Auf dieser Stufe sehe ich Schulen immer wieder in eine von vier Sackgassen laufen. Die Potemkin-Schule bietet ihr KI-Konzept als PDF zum Download an, gelebt wird es in keiner Klasse. Bei der Tool-Parade hetzt ein pädagogischer Tag von Anwendung zu Anwendung. Beim Strohfeuer ist die Begeisterung nach der Fortbildung groß und wenige Wochen später verflogen. Und die neue alte AG entpuppt sich als Runde der beiden üblichen Verdächtigen, die nun eben Protokoll führt.
Einen Ausweg beschreibt Pölert mit seinem KURS-Zyklus, in dem eine Schule ein Schuljahr lang einen einzigen Schwerpunkt verfolgt (unterrichten.digital). Zuerst klärt sie, welches Lernproblem sie angehen will. Die Fachkonferenzen entwickeln dazu Aufgaben und setzen sie um, danach schaut das Kollegium gemeinsam auf die Wirkung. Was sich bewährt, landet in verbindlichen Vereinbarungen, und der Zyklus selbst bekommt feste Termine im Jahresplan. Bei Pölert heißt es: „Gute KI-Entwicklung an Schulen ist im Kern gute Unterrichtsentwicklung.“
Was Schulen nicht allein schaffen
Vieles auf dem Weg nach oben liegt in der Hand der Schulen. Gleichzeitig brauchen viele Dinge auch Rückenwind von außen.
Da ist zunächst die Leistungsbewertung. Die Bildungsminister:innen der Länder hielten schon im Oktober 2024 in einer Empfehlung der KMK fest, ein allgemeines Verbot von KI bei häuslichen Arbeiten sei „weder zielführend und wünschenswert, noch durchhaltbar“ (KMK). Bayern baut seine Prüfungskultur um und erlaubt künftig ausdrücklich unter anderem Debatten, Erklärvideos, digitale Portfolios und Podcasts als Leistungsnachweise (News4teachers, Kultusministerium Bayern). Wo das Landesrecht Luft lässt, sollten Fachkonferenzen sie nutzen. Offen bleibt überall, woher die Zeit für mündliche und prozessbezogene Prüfungen kommen soll, solange Klassen voll und Deputate gleich bleiben.
Ob die Politik es ernst meint, zeigt sich an der Entlastung. Kolleg:innen, die Stufe 4 an ihrer Schule voranbringen, brauchen dafür Anrechnungsstunden; ein Dank in der Konferenz ersetzt das nicht. Joscha Falck wünschte sich im Gespräch mit mir von der Politik „eindeutige Signale für flexible Entlastungspakete, die vor Ort vergeben werden können (z. B. durch Anrechnungsstunden)“ (derStandard.at). Allzu oft hängt diese Arbeit an Einzelnen, die sie aus Überzeugung nebenbei erledigen.
Am meisten tut sich gerade bei den Werkzeugen. Datenschutzkonforme KI für den Unterricht war lange eine Frage einzelner Schulbudgets. Mit AIS.chat scheint sich das ein wenig zu ändern. Aus Österreich schaue ich da neidisch nach Deutschland, da es hierzulande noch nichts Vergleichbares gibt.
Und Ihre Schule?
Ministerien können Spielräume öffnen und Stunden bereitstellen. Ob eine Schule eine Stufe höher kommt, entscheidet sich trotzdem vor Ort: in der Fachkonferenz am Dienstagnachmittag und auf dem Elternabend, meistens langsamer, als sich die Technik entwickelt.
Wo würden Sie Ihre Schule einordnen, und welche Beobachtung gibt dafür den Ausschlag?