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Bereits vergangen

Orthografie ist tot!
Lang lebe die Ortografie.

Darum geht’s

Dr. Maurice Fürstenberg geht der Frage nach, welche Rolle Rechtschreibung noch spielt, wenn KI Texte weitgehend normgerecht schreiben und korrigieren kann. Ein historischer Rückblick zeigt Rechtschreibung als gewachsene Konvention, die Texte für Leser:innen leichter verständlich macht. Zugleich beleuchtet Fürstenberg ihre soziale Funktion: Normgerechtes Schreiben signalisiert Zugehörigkeit und beeinflusst, wie Menschen und ihre Leistungen wahrgenommen werden. KI hebt diese Zusammenhänge nicht einfach auf. Wer Schreibentscheidungen verstehen, beurteilen oder bewusst von einer Norm abweichen möchte, braucht weiterhin eigene Sprachkompetenz.

Für den Unterricht entwickelt Fürstenberg eine Analogie zum Kopfrechnen: Auch mit technischen Hilfsmitteln bleiben Grundlagen wichtig, ihre Funktion kann sich jedoch verändern. Er unterscheidet vier Aufgaben des Rechtschreiblernens: Strukturen verstehen, Ergebnisse überprüfen, grundlegende Schreibungen automatisieren und Texte bewusst gestalten. Rechtschreibung wird dabei als sichtbar gemachte Grammatik und als Werkzeug für verständliche Kommunikation betrachtet. Statt den Schwerpunkt auf das Zählen von Fehlern zu legen, plädiert er für Rechtschreibgespräche, das Begründen von Schreibungen und die Arbeit an eigenen Texten.

Als möglichen Ansatz skizziert Fürstenberg eine KI-gestützte Lernhilfe, deren Unterstützung schrittweise abnimmt: von angebotenen Korrekturen über Auswahlmöglichkeiten und Fehlermarkierungen bis zur bloßen Angabe einer Fehleranzahl. So sollen Lernende zunehmend selbst Verantwortung für die Überarbeitung übernehmen. Auch Prüfungsanteile mit und ohne Hilfsmittel stellt er zur Diskussion. Ab welcher Jahrgangsstufe und für welche Lernenden solche Modelle sinnvoll sind und wie sie mit analogen Prüfungen zusammenpassen, bleibt dabei ausdrücklich offen.

Gut zu wissen

  • Rechtschreibung bleibt wichtig, um Texte verständlich zu gestalten und sprachliche Entscheidungen bewusst zu treffen.
  • Eigene Grundlagen sind nötig, um KI-Korrekturen zu überprüfen und zwischen normgerechten und im Kontext passenden Formulierungen zu unterscheiden.
  • Schreibungen und Zeichensetzung im Gespräch begründen und mit grammatischen Strukturen verknüpfen.
  • Rechtschreibung an eigenen Texten üben; KI-Hilfen können dabei schrittweise zurückgenommen werden.
  • Unterricht und Prüfungen mit und ohne KI-Unterstützung müssen gezielt gestaltet werden; der Vortrag liefert dafür Vorschläge und benennt offene Fragen.

Fragen zum Thema

Fürstenberg sieht Rechtschreibung als Hilfe für verständliches Lesen und als Zugang zu grammatischen Strukturen. Eigene Kenntnisse ermöglichen es außerdem, KI-Korrekturen zu überprüfen und Schreibentscheidungen bewusst zu treffen. Die technische Unterstützung verändert damit die Aufgaben des Rechtschreiblernens, macht die Grundlagen aber nicht überflüssig.

Der Vortrag unterscheidet KI als automatischen Lösungsgeber, als Tutor mit Feedback und als Gesprächspartner für eigene Vorschläge und Alternativen. Fürstenberg plädiert dafür, die eigene Denkarbeit zu erhalten und Schreibungen am eigenen Text zu begründen. Wie hilfreich die Unterstützung ist, hängt von ihrer didaktischen Gestaltung ab.

Fürstenberg skizziert ein Stufenmodell: zunächst angebotene Korrekturen, danach mehrere Lösungsvarianten, anschließend nur Fehlermarkierungen und zuletzt Angaben zur Fehleranzahl. Dieses Modell ist ein Unterrichtsvorschlag, mit dem Lernende zunehmend selbst Fehler finden und ihre Texte überarbeiten sollen.

Fürstenberg stellt Prüfungsanteile mit und ohne Rechtschreibhilfe zur Diskussion, ähnlich der Unterscheidung zwischen Rechnen mit und ohne Hilfsmittel. Welche Jahrgangsstufen und Lernenden dafür infrage kommen und wie analoge Prüfungen dazu passen, bleibt im Vortrag ausdrücklich offen.

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