Bereits vergangen
Auf den Spuren eines Missverständnisses – Was ist Feedback? Und was ist es nicht?
Zusammenfassung
Dr. Benedikt Wisniewski stellt das verbreitete Verständnis von Feedback als bloße Rückmeldung infrage. Ausgehend vom technischen Begriff der Rückkopplung beschreibt er Feedback als Regelkreis zwischen zwei veränderbaren Systemen: Eine Diskrepanz zwischen Ist- und Sollzustand wird diagnostiziert, eine Intervention wirkt darauf ein, anschließend wird die Veränderung erneut geprüft. Für Unterricht folgt daraus seine erste Arbeitshypothese: Feedback ist kein einmalig übermittelter Kommentar, sondern ein kontinuierlicher Prozess aus Diagnostik und Intervention.
Die von ihm vorgestellte Metaanalyse von 435 Studien zeigt im Mittel einen substanziellen Effekt, zugleich aber stark unterschiedliche und teils negative Wirkungen. Besonders wenig hilfreich seien Rückmeldungen, die nur Abweichungen markieren, aber keinen Weg zu ihrer Verringerung eröffnen; dazu zählt Wisniewski viele klassische Korrekturen. Lernwirksam wird Feedback nicht allein durch seinen Wortlaut, sondern dadurch, was Lernende damit tun können. Dafür benötigen beide Seiten „Feedback Literacy“: Rückmeldungen aktiv einholen, emotional verarbeiten, in Handlungen übersetzen und so formulieren, dass Weiterentwicklung möglich wird. Generative KI könnte Diagnose- und Rückkopplungsschleifen unterstützen, entbindet Lehrkräfte und Lernende aber nicht davon, Annahmen anhand empirischer Befunde kritisch zu prüfen.
Takeaways
- Feedback ist als Rückkopplungsprozess zu verstehen, nicht als bloße Informationsweitergabe.
- Entscheidend ist, ob eine Rückmeldung die Diskrepanz zwischen aktuellem Stand und Ziel tatsächlich verkleinern hilft.
- Personenbezogene Urteile und reines Lob liefern häufig wenig verwertbare Hinweise für die Aufgabe oder den Lernprozess.
- Korrekturen ohne anschließende Intervention können wirkungslos oder sogar lernhinderlich sein.
- Feedback Literacy umfasst das Einholen, Verarbeiten, Umsetzen und hilfreiche Formulieren von Rückmeldungen.
- Erkenntnis entsteht durch das Prüfen eigener Annahmen, nicht durch die Auswahl nur bestätigender Forschungsergebnisse.